Trainingslager in Österreich

Trainingslager in Österreich

Vom 13. August bis 3. September 2017 war ich im Höhentrainingslager in Österreich. Genauer gesagt in dem kleinen, 2.000 m hoch gelegenen Örtchen Kühtai, welches sich als perfekter Ort für ein dreiwöchiges Aufbautrainingslager herausstellen sollte. Unser Team bestand aus 3 Trainern und 14 Athleten aus Dortmund und Umgebung sowie aus Leipzig und Dresden, welche größtenteils dem Bundeskader angehörten.

Die Anreise nach Tirol gestaltete sich jedoch etwas schwierig. Erst ging es in der Nacht mit dem Bus von Dresden nach Leipzig und dann weiter mit dem Auto nach Österreich. Mehr als 9 Stunden Autofahrt lagen hinter uns, als wir endlich unsere idyllisch gelegene Almhütte, welche uns die nächsten drei Wochen beherbergen sollte, erreichten. Unsere Ferienwohnung war bestens ausgestattet und ließ kaum Wünsche offen – mit Küche, Spülmaschine und Dusche und sonst allem was man für das tägliche Leben halt braucht. Zusammen gewohnt habe ich mit zwei weiteren Läuferinnen aus Leipzig und wir entschieden uns schon vorab für eine Selbstverpflegung, was mehr Aufwand aber gleichzeitig auch mehr Flexibilität bedeutete und für uns die Möglichkeit bereithielt, auf gesunde sportlergerechte Ernährung zu achten.

In den ersten Tagen stand vor allem die Anpassung an die Höhe im Vordergrund, denn das ist bei einem Höhenunterschied von Dresden mit ca. 100 m und Kühtai mit 2.000 m über dem Meeresspiegel schwerer als gedacht. Die erste Zeit hatten wir vor allem mit Kopfschmerzen und der Müdigkeit zu kämpfen, weshalb es galt, mindestens 4 Liter pro Tag zu trinken und auch wenn möglich an die 9 bis 10 Stunden pro Nacht zu schlafen.

So kann man auch im Training nicht sofort mit großen Belastungen anfangen, sondern muss den Körper nach und nach langsam an die veränderten Umweltbedingungen heranführen. So bestand unser Training in den ersten drei Tagen aus Wanderungen (bis zu 5 Stunden auf 3.000 m Höhe!) und Stabilisierungsprogrammen. Erst gegen Ende der ersten Woche begannen wir uns allmählich ein wenig schneller zu bewegen – was aber im Klartext nichts anderes bedeutete, als dass wir unsere Dauerläufe in einem extrem ruhigen Tempo (ca. 1 Minute langsamer auf den Kilometer als Zuhause [5:45-6:00min]) machten. Das Tempo wurde dann innerhalb der kommenden drei Wochen erst allmählich gesteigert. Unsere Laufstrecken absolvierten wir auf einer flachen, 2,5 km langen Runde um den örtlichen Stausee, profiliert quer durch den Ort oder im Stadion auf der Tartanbahn, welche in einem wundervollen Panorama genau zwischen den Bergen lag.


Neben den Laufeinheiten stand auch Schwimmen, Radfahren und Beachvolleyball auf dem Trainingsplan. Für die Schwimmeinheiten fuhren wir in einen ca. 30 Minuten entfernten Ort im Tal, der aber immerhin trotzdem noch auf knapp 700 m lag.

Das Training bestand im Allgemeinen eher aus sehr umfangreichen und langen Programmen. Das Trainingslager lag im Bereich der Saisonvorbereitung und sollte an erster Stelle darauf abzielen, meine Ausdauer weiter auszubauen und zu verbessern. Insgesamt legten wir so während des gesamten Trainingslagers knapp 200 km zu Fuß zurück. So stand an jedem Tag mindestens ein Dauerlauf auf dem Trainingsplan. Weitere Einheiten bestanden aus Bergan-Sprints, Tempoläufen und ausführlichen Kraft-/Ausdauerprogrammen. Wir trainierten fast ausschließlich zweimal pro Tag, gegen Ende des Trainingslagers wurde sogar manchmal eine dritte, kurze Einheit vor dem Frühstück eingeschoben, der sogenannte „Auftakt“, welcher unseren Körper überhaupt erst einmal in „Schwung“ bringen sollte.

Eine Besonderheit an diesem Ort ist unter anderem auch, dass man soweit das Auge reicht, immer von Kühen umgeben ist 🙂 Diese machen dem Namen KÜHtai definitiv alle Ehre, denn sie lassen sich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen und grasen gemütlich in der Regel auf der Alm. Aber gern standen sie auch einfach mal quer auf der Straße oder blockierten unseren Laufweg und bewegten sich auch nicht von der Stelle, wenn wir angelaufen kamen. Gerne „besuchten“ die Kühe uns auch an unserer Terrasse, die einen direkten Blick auf die Berge hatte. Das Läuten der Kuhglocken konnte man so beinah rund um die Uhr durch die Berge schallen hören. Sie waren auf jeden Fall eins der Highlights des Trainingslagers, denn ansonsten war in unserem kleinen Örtchen nichts weiter los. Was aber optimale Voraussetzungen für ein Trainingslager bietet. Man soll ja schließlich den Fokus auf das Training legen und sich nicht anderweitig ablenken lassen.

Jeden zweiten Morgen gingen wir zusätzlich zu einer ärztlichen Kontrolle. Dort nahm man uns etwas Blut ab und damit war es möglich festzustellen, wie sich bestimmte Werte verändern und wie gut unser Körper mit dem Training zurechtkam. Vor allem in einem Höhentrainingslager ist das sehr wichtig, da der Körper hier größeren Belastungen ausgesetzt ist. Mein persönliches Trainingslagerhighlight war aber ein Ausflug in das knapp 40 km entfernte Innsbruck. Wir bummelten bei strahlendem Sommerwetter durch die Stadt und genossen unseren einzigen freien Trainingstag.

Bei einem Höhentrainingslager muss man immer mit einem plötzlichen Umschlagen des Wetters und der Temperaturen rechnen. Dies sollten wir vor allem in den letzten Tagen erleben. Denn während wir am 29. August noch bei strahlendem Sonnenschein und ca. 30 Grad schwimmen waren, erwischte uns nur 3 Tage später der Wetterumschwung im wahrsten Sinne des Wortes „eiskalt“. Es erreichte Temperaturen bis -5 Grad, fing an in dicken Flocken zu schneien und hörte nicht wieder auf, bis wir am Sonntag unsere Reise nach Hause antraten. Daher galt es immer auf alle Wettersituationen eingestellt zu sein und immer die richtige Laufkleidung parat zu haben. Denn es gibt bekanntlich kein falsches Wetter zum Laufen, sondern nur falsche Kleidung!

Die drei Wochen vergingen im Nachhinein betrachtet viel zu schnell. Es war wirklich eine großartige Zeit und eine tolle Gelegenheit an so einem wunderschönen Ort trainieren zu können. Bei jedem Training hatten wir den Blick auf die atemberaubenden Berge und auch mit dem Wetter hatten wir fast die ganze Zeit Glück. So hat es auf jeden Fall unglaublich viel Spaß gemacht zu trainieren und man konnte auch mal über jede noch so kleine „Qual“ beim Training hinwegsehen. Da es mein erstes Höhentrainingslager überhaupt war, war ich umso mehr froh darüber, dass auch alles so reibungslos abgelaufen ist. Die Einheiten konnte ich alle gut absolvieren und auch meinen Trainingsplan wie geplant umsetzen.

Aber auch wenn es noch so schön war, war ich nach drei geschafften Wochen voller harter Trainingseinheiten, glücklich darüber, wieder nach Hause – nach Dresden zu fahren und blicke aber gleichzeitig schon mit großer Freude auf das nächste Höhentrainingslager im kommenden Jahr.

Celine

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